Hintergrund

Hilfe für junge Flüchtlinge aus Syrien: Warum ein Stipendienprogramm?

Die Bundesregierung hat sich auf verschiedene Weise für Flüchtlinge aus Syrien engagiert – mit finanzieller Hilfe vor Ort oder der Einrichtung von Aufnahmeprogrammen für syrische Flüchtlinge. Seit Frühjahr 2013 haben Bund und Länder mehrere Beschlüsse gefällt, die die Aufnahme von mehr als 20.000 syrischen Flüchtlingen ermöglicht. Doch angesichts von Millionen von Bürgerkriegsflüchtlingen, die in die Nachbarstaaten Libanon, Türkei, Jordanien, Irak oder auch Ägypten geflohen sind, ist der Bedarf an humanitärer Hilfe nach wie vor groß. Der deutsche Bundespräsident Gauck erklärte anlässlich des Berliner Symposiums zum Flüchtlingsschutz im Juni 2014: Deutschland kann mehr tun für Flüchtlinge. Ein Stipendienprogramm wäre ein weiterer Baustein im Engagement um Schutz und Beistand für Flüchtlinge.

Mit einem Stipendienprogramm für Flüchtlinge aus Syrien könnten gezielt junge Menschen unterstützt werden, die wegen des Krieges ihr Studium abbrechen mussten oder erst gar keins beginnen konnten. Das sind nicht nur syrische Staatsangehörige, sondern auch Palästinenser oder andere Gruppen von Staatenlosen, z.B. Kurden, die vor dem Krieg in Syrien gelebt haben und denen das Regime eine Staatsangehörigkeit verweigerte. Unabhängig von der Staatsangehörigkeit: Die jungen Flüchtlinge aus Syrien haben kaum eine Chance auf Bildung.

In den Flüchtlingslagern leben ganz überwiegend junge Menschen – viele im studierfähigen Alter und mit hoher Motivation, zu lernen. Doch in den Erstaufnahmeländern bestehen kaum oder gar keine Strukturen, um den jungen Flüchtlingen ein Studium zu ermöglichen. Bereits die Schulbildung für Kinder ist in den Erstaufnahmeländern ein riesiges Problem: Mehr als eine halbe Million Kinder bleiben ohne Schulbildung. Für junge Erwachsene ist der Zugang zu Hochschulen und Bildung noch schwieriger. Um zu verhindern, dass die jungen Kriegsopfer zu einer „lost generation“ werden, müssen ihnen Perspektiven geboten werden. Eine solide Ausbildung kann Perspektive bieten – für die junge Generation aus Syrien und die Zukunft Syriens insgesamt.

Praktische Umsetzung eines Stipendienprogramms

In Deutschland wäre der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) für die Umsetzung eines Stipendienprogramms für Flüchtlinge aus Syrien zuständig. Der DAAD ist die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Das Budget stammt überwiegend aus Bundesmitteln verschiedener Ministerien, vor allem des Auswärtigen Amtes, von der Europäischen Union sowie von Unternehmen, Organisationen und ausländischen Regierungen.

Frau Staatsministerin Prof. Maria Böhmer ist im Auswärtigen Amt zuständig für Bildung und könnte gemeinsam mit Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier den entscheidenden Anstoß für ein Stipendienprogramm geben.

Um den Kreis der Berechtigten nicht zu eng zu fassen, sollten nicht nur Master-Studiengänge, sondern auch die Aufnahme eines Bachelor-Studiums oder der Promotion ermöglicht werden.

Stiftungen können einen Beitrag leisten

Politische Stiftungen vergeben Stipendien und engagieren sich mit ihren Auslandsbüros international. Sie könnten in die Durchführung eines Stipendienprogramms einbezogen werden. Ansprechpartnerinnen wären hier unter anderem: Die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Böll-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung, die Friedrich-Naumann-Stiftung.

Zum Beispiel USA – was machen andere Staaten?

In den USA wurde im Frühling 2012 das Projekt Institute of International Education Syria Consortium for Higher Education in Crisis gegründet. Beteiligt waren das genannte Institute of International Education, das Illinois Institute of Technology, Jusoor und das U.S. State Department. Weitere 40 Institutionen, hauptsächlich aus den USA, aber auch aus Europa und Mexiko, beteiligten sich nach der Gründung des Projekts. 13 Colleges gaben 2,3 Millionen Dollar für 70 Stipendien. 2013 wurde das Projekt mit dem Ziel erweitert, mithilfe von 7 Millionen Dollar 600 Stipendien zu ermöglichen. Zu den neuen Partnern zählt die Global Platform for Syrian Students, die mit Unterstützung vom ehemaligen portugiesischen Präsidenten Jorge Sampaio gegründet wurde. Unterstützt wird dieses Projekt vom Europarat, der Arabischen Liga und der Mittelmeerunion. Die Resonanz seitens syrischer Studierender bzw. Flüchtlinge war sehr groß. Zudem wurde ein Projekt gestartet, das E-Learning im Flüchtlingscamp Zaatari in Libyen ermöglichen soll.

Quellen:

www.iie.org/Programs/Syria-Scholarships
jorgesampaio.pt/jorgesampaio/en/global-platform-4-syrian-students
www.jusoor-sy.org
chronicle.com/article/Syrian-Students-Find-a-Haven/142629

Weitere internationale Beispiele

  • Das UNHCR stellt zudem über das Programm DAFI ebenfalls Stipendien für syrische Flüchtlinge bereit. Über dieses Programm werden jährlich 2000 Stipendien für Flüchtlinge vergeben.
  • Das Erasmus-Mundus Programm der EU wurde 2013 für Syrer geöffnet. Allerdings wird durch dieses Programm nicht ein gesamtes Studium finanziert, sondern nur einzelne Semester.
  • Das Swedish Institute Study Scholarships vergibt 15-30 Stipendien für Master-Studiengänge.

Facebook: Aktuelle Informationen über Stipendien für syrische Flüchtlinge

Es gibt eine Facebook-Seite, die ständig über die Möglichkeit von Stipendien informiert: facebook.com/scholarships.syria

Mitmachen! Was kann ich tun?

  • Unterschreiben Sie den Appell zur Einrichtung eines Stipendienprogramms für Flüchtlinge aus Syrien!
  • Schicken Sie den Link zum Appell auch ihre Freundinnen und Freunde und Bekannten! Je mehr Menschen sich für ein solches Programm aussprechen, desto höher sind die Realisierungschancen.
  • Wenn Sie studieren: Treten Sie an Ihre Professor_innen und Hochschulgremien heran und schlagen Sie vor, dass diese den Appell ebenfalls unterzeichnen!
  • Schreiben Sie persönlich an Frau Staatsministerin Prof. Maria Böhmer und Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier: Das sind die politisch Verantwortlichen im Auswärtigen Amt, die ein Stipendienprogramm anstoßen könnten.
  • Fragen Sie beim Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlreises nach: Er oder sie können eine parlamentarische Initiative für die Einrichtung eines Stipendienprogramms für Flüchtlinge aus Syrien starten.
  • Führen Sie Veranstaltungen zum Thema syrische Flüchtlinge durch! Viele Menschen wissen noch viel zu wenig über das Schicksal der Flüchtlinge aus Syrien.
  • Besuchen Sie syrische Flüchtlinge in Ihrer Nähe und bieten Unterstützung an, am besten in Koordination mit anderen Unterstützer_innen! Seit Ausbruch des Krieges sind Tausende Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland geflohen – vielleicht leben einige von ihnen direkt in ihrer Nähe? Praktische Hilfe ist in vielen Lebensbereichen (Z.B. Sprache lernen, Nachhilfe für die Kinder etc.) nötig. Erkundigen Sie sich in Absprache mit den Flüchtlingen, welche deutschen Institutionen bei welchen Problemen zuständig sind oder weiterhelfen könnten.
  • Zeigen Sie Solidarität und setzen Sie sich für Flüchtlinge und ihre Rechte ein, sollten diese mit Diskriminierung und rassistischer Hetze konfrontiert werden!
  • Spenden Sie Hilfsorganisationen, die syrischen Flüchtlingen helfen. Die UNO-Flüchtlingshilfe sammelt in Deutschland Spenden für das UN Flüchtlingshilfswerk. Pro Asyl und regionale Flüchtlingsräte setzen sich für die Rechte von Flüchtlingen ein. 

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